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EVANG. KIRCHENGEMEINDE ST. ILGEN


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Weihnachtsgruß 2014

Liebe Gemeinde,

dieses Jahr steht Weihnachten unter einem besonderen Stern.
Nein, eigentlich muss ich mich sofort korrigieren: Wir sehen durch die Umstände in diesem Jahr, unter denen wir Weihnachten feiern, nur genauer hin.
Der Stern von Weihnachten beleuchtet die Welt schon immer, so wie sie ist, wie sie schon damals war, und woran sich trotz aller menschlichen Bemühungen seit der ersten Weihnacht im Stall nicht viel geändert hat.
Der Stern von Bethlehem wirft schon immer sein Licht, auf die im Dunkeln, die man nicht sieht (Brecht, Dreigroschenoper). Wenn dieses Jahr um die 200.000 Flüchtlinge Schutz in Deutschland suchen, wenn mehr als 10 Mio Menschen weltweit auf der Flucht sind, dann teilen diese Menschen das Schicksal von Jesus.

Schon vor seiner Geburt machen Maria und Josef die Erfahrung, nicht erwünscht zu sein, oder zumindest, solange sie das Geld dazu nicht aufbringen können, abgeschoben zu werden in einen zugigen Stall, in dem es nach Rindermist stinkt.

Und dann, kurz nach der Geburt müssen sie nach Ägypten fliehen, weil Herodes alle, die ihm potentiell seine Macht streitig machen könnten, umbringen lässt.
Das ist nahe dran an den Gründen, warum Menschen heute ihre Heimat verlassen müssen: Weil sie keine Überlebenschancen in ihrer Heimat sehen, weil mächtige Interessen sie auf dem Schachbrett der Weltpolitik umherschieben, seien es nun einzelne Machthaber und deren “Lobbyisten”, seien es multinationale Konzerne, die ihren Profit sichern wollen, oder seien es religiöse Fanatiker, die nichts neben sich dulden.

Dieses Schicksal teilt Jesus, so wie Gott in ihm das Schicksal aller Menschen teilt, die unter der Macht der Mächtigen und Intoleranten leiden. Oft aber auch unter Angst und Ignoranz sowie mangelnder Solidarität der Anderen, die das Schicksal der Leidenden verdrängen, so als ginge es sie nichts an.

In den Krippenspielen aller Zeiten begegnet uns dafür die Gestalt des Wirtes. Ob er die Heilige Familie nur aus Geldgier zurückweist, sei dahingestellt. Die Stadt war voll von Menschen, die zur Volkszählung nach Bethlehem kamen. Vielleicht war es schlicht Platzmangel. Doch die Reichen werden kaum in einem Stall geschlafen haben.

Welche Rolle spielen wir in dem weltweiten Krippenspiel an Weihnachten 2014?
Wir Deutschen mitten in Europa?
Die grässlichen Bilder aus Syrien und dem Irak, aber auch schon zuvor die ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmeer, haben uns gezeigt, dass wir uns unserer Verantwortung nicht entziehen können, indem wir die Mauern um Europa erhöhen und FRONTEX die Drecksarbeit für uns machen lassen.

Photo: dpa/Reuters


Was aber nun, da die Menschen hier sind, die bei uns Zuflucht suchen? - Ganz konkret in unserer Nachbarschaft. Das betrifft auch uns in Leimen, in St Ilgen. Denn - machen wir uns doch nichts vor: Bei 200.000 Flüchtlingen allein in diesem Jahr wird auch die Große Kreisstadt Leimen ihren Teil dazu beitragen müssen, diese Menschen unterzubringen, und während Sie diese Zeilen lesen, sind Anfang Dezember die ersten davon voraussichtlich schon in Leimen eingetroffen: Menschen, die traumatisiert sind von dem, was sie erleben mussten, in ihrer Heimat oder während der Flucht. Menschen, die nun ein Dach über dem Kopf suchen. Menschen, die sich hier fremd fühlen und denen menschliche Zuwendung fehlt.

Die Kommunen sind damit - oft - überfordert. Wo aber sind Hausbesitzer/innen mit leerstehendem Wohnraum, die bereit sind, auf - möglichen - Profit zu verzichten, die es auf Konflikte mit uneinsichtigen Nachbarn ankommen lassen würden, rein um der menschlichen Barmherzigkeit willen?

Mag sein, solche Erwartungen, solche Wunschträume sind zu hoch gegriffen. Da prüfe sich jeder selbst. Die meisten von uns sind auch keine Wirte, die zumindest einen Stall anbieten könnten.
Aber es geht auch viel einfacher. Und vielleicht können wir uns da die Hirten zum Vorbild nehmen. Vielleicht ist das unsere Rolle im Krippenspiel 2014: Hingehen, das Kind in der Krippe sehen und seine Eltern. Ihnen die Botschaft der Engel überbringen. Umkehren, das Gesehene verkündigen und Gott preisen.

Übersetzt: Wo jetzt oder demnächst Flüchtlinge in ihrer Umgebung ankommen, hingehen, sie willkommen heißen, ihnen vielleicht etwas „Wertvolles“ mitbringen wie die Weisen aus dem Morgenland, etwas, was sie in ihrer Not brauchen, warme Winterkleidung etwa, und Ihnen Gutes und Ermutigendes mitteilen (die Botschaft der Engel!):
Diesen Menschen zeigen, dass sie hier sicher wohnen können, deren Situation in Ihrem Herzen zu bewegen wie Maria, anderen von ihrer Begegnung mit den Flüchtlingen erzählen, von dem anfänglichen Misstrauen, dem wir vielleicht begegnen, aber dann auch von der Freude, die ein aufrechtes Willkommen auslöst.
Mit den Menschen reden, so gut wir können, in fremden Sprachen, mit Händen und Füßen, teilen (Schicksale und Materielles), uns von ihnen anrühren lassen in unseren Herzen (statt über die zu urteilen, ohne sie zu kennen) - das bedeutet Umkehren.
Und zugleich bedeutet diese Umkehr, Gott die Ehre zu geben, ihn zu preisen, mit dem was wir tun und sagen.

Weihnachten - eben der Neuanfang, auf den wir im Advent warten.
Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Ihr Gemeindepfarrer Jörg Geißler


Wer sich engagieren möchte und Unterstützungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge sucht, kann mal >>> hier schauen


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